Feministische Initiative hat die Vision von einer Welt, in der alle Menschen die Möglichkeit eines vollwertigen Lebens haben. So sieht die Wirklichkeit heute nicht aus. Frauen sind systematisch Männern untergeordnet. Das wollen wir ändern. Feministische Initiative führt den Kampf und die Arbeit weiter, die Frauen seit sehr langer Zeit geleistet haben um ihr Leben zu verbessern. Ein nicht aufzuhaltendes Bestreben, das sich täglich erneuert in der Familie, auf Arbeitsplätzen, im öffentlichen Raum, in den Schulen, in der Literatur, in der Musik, auf dem Theater und in den Medien. Feministische Initiative stellt die Frage nach der Gleichberechtigung der Geschlechter an die Spitze der politischen Tagesordnung.
Feministische Initiative wendet sich an Frauen, die das Patriarchat abschaffen wollen, und an Männer, die sich mit unserem Kampf solidarisch fühlen.
Feministische Initiative glaubt nicht, dass alle Frauen über alles gleich denken. Frauen sind verschieden. Wir unterscheiden uns in unseren Interessen, Hoffnungen und Wünschen. Wir haben unterschiedliche Voraussetzungen und Veranlagungen. Man schreibt uns wechselnde Stellung in der Gesellschaft zu auf Grund finanzieller und sozialer Bedingungen, ethnischer und kultureller Zugehörigkeit oder sexueller Neigung. Wir unterscheiden uns auch in unseren Wertungen und Präferenzen. Aber jenseits von diesen Unterschieden gibt es die Ähnlichkeiten: Das Leben von Frauen, ihre Entscheidungen und Möglichkeiten werden von der patriarchalischen Herrschaft begrenzt. Frauen werden von Männern definiert, benachteiligt und untergeordnet. Das hierarchische Gefüge nimmt jeweils andere Formen an, trifft jedoch immer Frauen.
Feministische Initiative geht analytisch vor. Ihre Forderungen gehen von der Tatsache aus, dass, – auch wenn Frauen mit verschiedenen Stimmen reden, sich an verschiedenen Orten befinden, verschiedene Erfahrungen machen, verschiedentlich leben und unter ungleichen Bedingungen -, es die selben Machtstrukturen sind, welche Männer und Frauen hierarchisch einstufen. Diese besagen, dass männliches Reden und männliche Leistung wertvoller sind als das Sprechen und Handeln von Frauen. Diese Unstimmigkeit ist ein Gesellschaftsproblem, ein Gerechtigkeits- und ein Demokratieproblem.
Feministische Initiative sieht die Umstände, unter denen Frauen leben. Jeden Tag begegnen Bilder von Frauen als Sexualobjekte. Frauen werden täglich Gewalt ausgesetzt. Männer vergewaltigen Frauen und Mädchen. Frauen, welche die von der Gesellschaft gesetzten Grenzen ihres Geschlechts überschreiten, werden belästigt und benachteiligt. Viele alleinstehende Mütter leben unter schwerem finanziellen Druck. Geschäft mit Frauen findet täglich statt, rund um die Welt und in Schweden. Der globale Arbeitsmarkt nutzt weibliche Arbeitskraft aus. In Schweden nimmt die Einkommenskluft zwischen Männern und Frauen zu. Wo Frauen in der Mehrzahl sind, werden die Löhne niedergehalten. Ein grosser Anteil der von Frauen geleisteten Arbeit ist noch immer unsichtbar und unbezahlt. Frauen führen die meiste Haushaltsarbeit aus und nehmen die Hauptverantwortung für die Fürsorge für Kinder, Alte und Kranke, sowohl öffentlich als auch privat. Frauen werden im Berufsleben dafür bestraft, dass sie Kinder gebären, auch wenn sie es nicht tun. Ihre Pensionen sind niedriger als die von Männern. In der Krankenpflege und in der medizinischen Forschung werden Frauen benachteiligt. Ältere Frauen werden schlechter behandelt als ältere Männer. Frauen, die in eine weisse, abendländische Norm nicht hineinpassen, werden als Aussenseiter betrachtet und marginalisiert. Behinderte Frauen werden diskriminiert. Das Leben von asylsuchenden Frauen wird aufs Spiel gesetzt, weil Politiker und Behörden ohne Einsicht und Verständnis für ihreAsylmotive sind. Das Gerichtswesen spricht Männer frei, die Frauen belästigt und vergewaltigt haben; das Leben von Frauen und Mädchen aber bleibt zerstört. Der Raum und die Möglichkeiten von Frauen gehört und ernst genommen zu werden sind in Schule, Berufsleben, Wirtschaft, Recht, Kultur, Medien und Politik geringer als der Spielraum der Männer. Dies und vieles mehr wollen wir ändern.
Feministische Initiative erkennt auch, dass die weltumspannende patriarchalische Herrschaft, die durch Gewalt und Krieg aufrechterhalten wird, zu einer ungerechten Verteilung der Resursen der Erde führt und zu einer rücksichtslosen Aussaugung und Vergiftung der Umwelt. Frauen und Kinder in grossen Teilen der Erde werden zu einem Leben in äusserster Armut verdammt. Mädchen wird der Schulgang untersagt. Kinder werden zu Arbeit und Prostitution gezwungen und als Soldaten benutzt. Internationale Solidarität und Kampf gegen den Militarismus sind Grundsteine unseres Programms.
Feministische Initiative widmet sich der Befreiung der Frauen von Ungerechtigkeiten auf Grund des Geschlechts. Unsere Forderungen werden an das Patriarchat gestellt. Wir können uns nicht hinter Beschlüsse stellen, die einige Frauen es möglich macht, auf Kosten anderer sich zu emanzipieren. Die Befreiung aller Frauen ist unser Ziel. So schaffen wir Frauensolidarität und so führen wir den feministischen Kampf weiter.
Feministische Initiative will den Takt der Reformen beschleunigen. Fast alle politische Parteien nennen sich heute frauenfreundlich aber der Alltag von Frauen bleibt sich gleich, Tag um Tag, Jahr um Jahr. Trotz geduldiger Bemühungen von Seiten vieler politisch engagierter Frauen hat keine Partei die Belange der Frauen durchgehend und grundsätzlich beachtet. Die schwedische Gleichberechtigungspolitik hat bis jetzt den Consensus über alles gestellt: es hat nur geheissen, der Kuchen kann grösser, das Leben von Frauen besser werden, ohne dass es das Leben von Männern beeinträchtigt. Unsere Gesellschaftsanalyse macht die Abschaffung von männlichen Privilegien zu einer folgerichtigen Forderung. In dem Sinne haben wir teil an den Bestrebungen von feministischen networks der Gegenwart, sind aber auch dem Kampf von Frauenorganisationen und -bewegungen der Vergangenheit verpflichtet, welche Menschenrechte für alle forderten.
Feministische Initiative will eine Politik, die auf allen Gebieten des Lebens das Patriarchat herausfordert. Wir sind auf grossen Widerstand eingestellt, vertrauen aber darauf, dass der Wille zur Veränderung noch grösser ist.
Plattform für Feministische Initiative
Stockholm: FiSS på Stockholms kommunfullmäktige
Malmö: Fi Malmö på kommunfullmäktige
Göteborg: Föreställningen "Den ekonomiska mannen och mamma"
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